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Für umgerechnet ca. 1.300,00 Euro konnte man bei der diesjährigen Toronto International Art Fair das Anrecht auf eine Flasche 100jährigen Glenfiddich-Whisky erwerben. Die 25 leeren Holzboxen sind Teil des Kunstprojekts “A Drink To Us (When We’re Both Dead)” des Kanadiers Dave Dyment, das dieser im Rahmen des diesjährigen “Artists in Residence”-Programms der Glenfiddich-Destillerie verwirklichte.

© Glenfiddich
Dyment, der bisher vor allem mit Klanginstallationen aber auch mit Fotografie gearbeitet hat, verknüpfte die Komplexität der Reifung von Whisky mit seinem Interesse vom Vergehen der Zeit und entwickelte die Idee eines Kunstwerks, das erst nach dem Tod des Künstlers vollendet sein wird und so die Grenzen der (Lebens-)Zeit aufhebt.
Die Idee: Ein Fass Whisky wird für 100 Jahre “begraben” und nach dieser Zeit in Flaschen abgefüllt, die heute schon verkauft werden. In 100 Jahren werden die Erben der heute gekauften Flaschen einen Toast ausbringen können auf den Künstler und den Käufer, die zu diesem Zeitpunkt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr am Leben sind.

© Glenfiddich
Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit altgedienten Destilleriemitarbeitern auf die Beine gestellt und am 30. September ein 500-Liter-Fass mit frisch destilliertem Alkohol im Boden von Lagerhaus 8 vergraben. Das Vergraben soll dem Verdunstungseffekt entgegenwirken, der normalerweise nach ca. 50 bis 60 Jahren dafür sorgt, dass der Alkoholgehalt unter den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwert von 40%vol sinkt. Auf diese Weise soll ein 100 Jahre alter Whisky produziert werden.
Insgesamt 25 leere Holzboxen, die die künftig abgefüllten Flaschen symbolisieren, werden erstmalig auf der Toronto International Art Fair und später im Glenfiddich Distillery Shop verkauft. Käufer dieses Kunstwerks mit dem Titel “A Drink To Us (When We’re Both Dead)” werden die Box an ihre Kinder und Enkel vererben, bis im Jahr 2108 das, was sich dann noch im Fass befindet, in Flaschen abgefüllt wird.

© Glenfiddich
Selbstverständlich gibt es keine Garantie, dass die Flüssigkeit im Fass bleibt, die verbleibende Flüssigkeit trinkbar ist oder gar den künftigen gesetzlichen Vorgaben für Whisky entspricht, aber das Kunstwerk beinhaltet zweifellos eine gewisse Ehrfurcht seitens des Käufers und eine Vorfreude für denjenigen, der in 100 Jahren bei der “Bergung” des Fasses dabei sein und den Inhalt kosten darf.
“I wish to produce a barrel of one hundred year-old Scotch whisky which will reach maturation in 2108. The title of the work will be “A Drink to Us (When We’re Both Dead)” - “us” referring to both the artists and the buyer. The whisky itself will be the ultimate gift, a whisky that the buyer will never taste, but will pass on.” (Dave Dyment)
Die Umsetzung der Idee verlief nicht ganz reibungslos: Das Fass wurde leer in ein vorbereitetes Loch versenkt und anschließend mit Hilfe einer Pumpe aus einem zweiten Fass befüllt. Leider hatte niemand bedacht, dass das vergrabene Fass etwas kleiner war als das zweite, so dass sich der “überschüssige” Alkohol am Ende in einer kräftigen Fontäne auf Warehouse Manager Eric Stephen ergoss. (Nachzulesen in Dave Dyments Projekt-Blog: Barrel burial)
Dave Dyment lebt in Toronto und hatte bereits zahlreiche Einzelausstellungen. Seine Werke wurden bereits in Kanada, den USA und in verschiedenen europäischen Ländern gezeigt.
Dave Dyments Homepage: http://www.davedyment.com
Dyments Blog zum Glenfiddich-Projekt: http://glenfiddichresidency.blogspot.com
Das Programm “Artists in Residence” wurde 2002 ins Leben gerufen. Jährlich werden acht internationale Künstler eingeladen, die drei Monate in einem Cottage nahe der Destillerie leben und arbeiten. Die dort entstandenen Kunstwerke, die von der Umgebung, der Destillerie und den dort arbeitenden Menschen inspiriert sind, werden anschließend vor Ort präsentiert.
Informationen über das Programm “Artists in Residence” und die 2008 beteiligten Künstler: Artists in Residence 2008
Weitere Berichte über Dave Dyments Projekt:
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